Shopware ist in Deutschland entstanden, und das merkt man der Standardinstallation an: Texte mit «ß», Preise auf den Cent genau, Vorkasse statt QR-Rechnung, Steuersätze für Deutschland. Für einen Shop, der in der Schweiz verkauft, ist das alles anpassbar – aber nicht alles ist offensichtlich.
Diese Checkliste richtet sich an Shop-Betreiberinnen und -Betreiber. Sie zeigt, welche Einstellungen Sie in Shopware 6 für den Schweizer Markt prüfen sollten und wo Sie eine Erweiterung brauchen.
Kurzübersicht
| Thema | Lösung in Shopware 6 |
|---|---|
| MWST 8.1 % / 2.6 % / 3.8 % | Standard: Einstellungen › Steuern |
| Preise in CHF | Standard: Einstellungen › Währungen |
| 5-Rappen-Rundung | Standard: Rundungsintervall in der Währung |
| Postleitzahl, Adressformat | Standard: Einstellungen › Länder |
| «ss» statt «ß» | eigene Sprache oder Plugin |
| TWINT | Plugin von TWINT oder eines Zahlungsanbieters |
| QR-Rechnung | Plugin |
| Versand in die EU | Steuer- und Länder-Einstellungen, Abklärung mit Treuhand |
Mehrwertsteuer richtig einrichten
Seit dem 1. Januar 2024 gelten in der Schweiz diese MWST-Sätze:
- 8.1 % Normalsatz – für die meisten Waren und Dienstleistungen
- 2.6 % reduzierter Satz – unter anderem für Lebensmittel, Bücher und Medikamente
- 3.8 % Sondersatz für Beherbergung
Shopware bringt bei der Installation deutsche Steuersätze mit. Passen Sie diese unter Einstellungen › Shop › Steuern an oder legen Sie neue an, und weisen Sie Ihren Produkten den richtigen Satz zu. Bei bestehenden Shops lohnt sich ein Blick in die Produktliste: Nach einer Migration aus einem anderen System hängen manchmal noch alte Sätze an einzelnen Artikeln.
Für Liechtenstein gelten die gleichen Sätze, da es mit der Schweiz ein gemeinsames MWST- und Zollgebiet bildet. Behandeln Sie Liechtenstein in Shopware deshalb wie die Schweiz und nicht wie ein Exportland.
Gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten müssen Preise in Schweizer Franken und inklusive MWST angegeben werden. Das schreibt die Preisbekanntgabeverordnung vor. Prüfen Sie, dass Ihre Kundengruppe für Privatkunden auf Brutto steht.
Preise in CHF und die 5-Rappen-Rundung
Die kleinste Münze in der Schweiz ist das 5-Rappen-Stück. Viele Kundinnen und Kunden erwarten deshalb einen Rechnungsbetrag wie CHF 47.95 statt CHF 47.93 – spätestens bei Barzahlung im Laden oder bei Abholung.
Shopware kann das ohne Erweiterung. Unter Einstellungen › Shop › Währungen finden Sie bei jeder Währung den Bereich Preisrundungen:
- Nachkommastellen und Rundungsintervall für die einzelnen Warenkorbpositionen
- dieselben Felder separat für die Summen, also die Gesamtsumme des Warenkorbs
- die Option, ob die Rundung auch für Nettokunden gilt
Eine bewährte Einstellung für Franken ist: Positionen auf zwei Nachkommastellen mit Intervall 0.01, die Gesamtsumme mit Intervall 0.05. So bleiben Einzelpreise exakt, und nur der zu zahlende Betrag wird auf fünf Rappen gerundet. Über den Bereich Länder in derselben Währung können Sie für einzelne Länder abweichende Rundungen hinterlegen.
Wichtig: Shopware weist selbst darauf hin, dass angebundene Systeme diese Rundung unterstützen müssen. Testen Sie vor dem Go-live eine Bestellung bis in die Buchhaltung, Ihr ERP und den Zahlungsanbieter. Weicht der dort verbuchte Betrag um einige Rappen ab, entstehen Differenzen, die später mühsam abzustimmen sind.
Sprache: «ss» statt «ß»
In der Schweiz wird kein «ß» geschrieben. Die deutschen Textbausteine von Shopware enthalten es aber an vielen Stellen, etwa «Straße» im Adressformular. Für Schweizer Kundschaft wirkt das sofort fremd.
Sie haben zwei Möglichkeiten:
- Eigene Sprache «Deutsch (Schweiz)» anlegen, die von «Deutsch» erbt, und die betroffenen Textbausteine unter Einstellungen › Shop › Textbausteine überschreiben. Das ist sauber, aber aufwendig – und Plugins bringen eigene Textbausteine mit, die Sie ebenfalls prüfen müssen.
- Ein Plugin, das «ß» automatisch ersetzt. Wir haben dafür das Plugin Scharfes S (ß) mit ss ersetzen entwickelt. Es ersetzt nach der Aktivierung alle «ß» im Shop – auch in Texten anderer Erweiterungen.
Verkaufen Sie auch in der Romandie oder im Tessin, brauchen Sie zusätzlich Französisch und Italienisch – für die Oberfläche über Sprachpakete, für Produkttexte, Kategorien und Rechtstexte mit eigenen Übersetzungen.
Adressen und Länder
Unter Einstellungen › Regional › Länder stellen Sie pro Land ein, wie Adressen erfasst werden:
- Postleitzahl ist Pflichtfeld und Postleitzahl validieren aktivieren. Schweizer Postleitzahlen haben vier Ziffern; mit den erweiterten Validierungsregeln können Sie das Format genau vorgeben.
- In der Registerkarte Adressformat legen Sie fest, wie die Adresse auf Dokumenten und in E-Mails erscheint.
- Deaktivieren Sie Länder, in die Sie nicht liefern. Das verhindert Bestellungen, die Sie danach stornieren müssen.
TWINT anbieten
TWINT ist die verbreitetste mobile Zahlungsart der Schweiz, und viele Kundinnen und Kunden suchen sie im Checkout gezielt. Shopware bringt TWINT nicht von Haus aus mit, Sie haben aber mehrere Wege:
- Plugin von TWINT selbst: Im Shopware Store gibt es ein Plugin von TWINT mit Standard- und Express-Checkout, laut Store-Seite ab Shopware 6.5. Die Zugangsdaten erhalten Sie über das TWINT Business Portal.
- Über einen Zahlungsanbieter: Schweizer Anbieter wie Payrexx, saldiaPay oder wallee bieten Shopware-Plugins, mit denen Sie TWINT zusammen mit Kreditkarten, PostFinance und weiteren Zahlungsarten über einen Vertrag abwickeln.
Welcher Weg besser passt, hängt von den Gebühren, Ihren übrigen Zahlungsarten und davon ab, wie gut das Plugin zu Ihrer Shopware-Version passt. Prüfen Sie vor dem Entscheid die Kompatibilität mit Ihrer Version – gerade vor einem Upgrade auf Shopware 6.7.
Kauf auf Rechnung mit QR-Rechnung
Kauf auf Rechnung ist in der Schweiz nach wie vor beliebt. Seit Oktober 2022 gilt dafür nur noch die QR-Rechnung; die alten orangen und roten Einzahlungsscheine werden nicht mehr verarbeitet.
Shopware erzeugt Rechnungen als PDF, aber ohne Schweizer QR-Zahlteil. Dafür gibt es im Shopware Store mehrere Plugins. Achten Sie bei der Auswahl auf:
- QR-Referenz pro Bestellung: Nur mit einer eindeutigen Referenz lassen sich Zahlungen automatisch zuordnen.
- Zahlungsabgleich: Einige Plugins lesen die camt.054-Dateien Ihrer Bank ein und markieren Bestellungen als bezahlt. Ohne diese Funktion gleichen Sie Zahlungen von Hand ab.
- Dokumentvorlage: Haben Sie Ihre Rechnungsvorlage angepasst, muss das Plugin damit zusammenspielen.
Läuft Ihre Buchhaltung über ein ERP, kann auch dieses die QR-Rechnung erstellen. Dann ist die bessere Lösung meist eine Schnittstelle zwischen Shop und ERP statt eines zusätzlichen Plugins.
Versand in die EU
Wer aus der Schweiz in die EU verkauft, exportiert – mit Zollanmeldung, Einfuhrumsatzsteuer im Zielland und oft Gebühren für die Verzollung. Das ist kein reines Shopware-Thema, hat aber direkte Folgen für Ihre Einstellungen:
- Ohne besonderes Verfahren bezahlt die Kundin oder der Kunde die Einfuhrumsatzsteuer und Verzollungsgebühren bei der Zustellung. Den Preis zeigen Sie dann in der Regel ohne Schweizer MWST an – in Shopware über die Option Steuerfrei (B2C) beim jeweiligen Land. Weisen Sie im Checkout klar auf die zusätzlichen Kosten hin, sonst werden Pakete nicht angenommen.
- Mit dem Import-One-Stop-Shop (IOSS) können Sie bei Sendungen bis 150 Euro Warenwert die Mehrwertsteuer des Ziellandes direkt im Shop erheben und abrechnen. Die Kundschaft zahlt bei der Zustellung nichts mehr. Dafür brauchen Sie die Steuersätze aller Zielländer im Shop (in Shopware als länderspezifische Steuersätze) und als Schweizer Firma in der Regel einen Vermittler in der EU.
Welches Modell für Sie passt, ist eine steuerliche Frage. Klären Sie das mit Ihrer Treuhand, bevor Sie den Shop für EU-Länder öffnen.
Rechtliches kurz geprüft
Shopware liefert Mustertexte und Einstellungen, die auf deutsches Recht ausgerichtet sind. Für die Schweiz sollten Sie unter anderem prüfen:
- Widerrufsrecht: Das Schweizer Recht kennt kein allgemeines Widerrufsrecht für Onlinekäufe. Viele Shops gewähren freiwillig ein Rückgaberecht – entscheidend ist, dass AGB und Checkout dasselbe sagen. Verkaufen Sie an Konsumentinnen und Konsumenten in der EU, gelten für diese in der Regel die EU-Regeln.
- Datenschutz: Seit dem 1. September 2023 gilt das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG). Bei Kundschaft in der EU kommt die DSGVO dazu.
- Impressum: Onlineshops müssen klare Angaben zu ihrer Identität und eine Kontaktadresse machen.
Lassen Sie AGB und Datenschutzerklärung von einer Fachperson prüfen. Die Shopware-Vorlagen sind ein Ausgangspunkt, keine fertige Lösung.
Fazit
Shopware 6 eignet sich gut für Schweizer Onlineshops: MWST, Franken und 5-Rappen-Rundung lassen sich mit Bordmitteln einrichten. Für TWINT, die QR-Rechnung und ein sauberes «ss» brauchen Sie Erweiterungen, und beim Versand in die EU sollten Steuerfragen geklärt sein, bevor der erste Kunde bestellt. Testen Sie jede Änderung mit einer echten Bestellung – bis die Zahlung in Ihrer Buchhaltung angekommen ist.
Wir sind eine Shopware-Agentur aus Aarberg und richten Shops für den Schweizer Markt ein: von der Migration auf Shopware über Anbindungen an Galaxus und Schweizer ERP-Systeme bis zu eigenen Plugins. Läuft Ihr Shop bereits und Sie möchten ihn prüfen lassen? Unser Shopware-Support hilft Ihnen dabei.





